James Bond 007 - Keine Zeit zum sterben
James Bond soll die Kinos retten
Es ist sein Job, die Welt zu retten, und das hat 007 in den letzten Jahrzehnten verlässlich wieder und wieder erledigt. Diesmal ist die Mission noch schwieriger es soll die Kinobranche sein: Erst wenn der neue James-Bond-Film Keine Zeit zu sterben endlich auf der Leinwand zu sehen ist, markiert das jenen Zeitpunkt, an dem die Branche endlich aufatmen kann. Momentan ist der Kinostart für den 31. März angesetzt, ob dieser Starttermin weit über ein Jahr nach dem ursprünglich geplanten allerdings diesmal hält, liegt weiterhin am weltweiten Infektionsgeschehen.

Der Umsatzeinbruch der Branche lag in Österreich für das Jahr 2020 bei 73 Prozent, an den nordamerikanischen Kinokassen waren es sogar 80 Prozent. Die weltweit operierende US-Kinokette AMC braucht dringend mindestens 750 Millionen Dollar, um überleben zu können. Wenn die Kinos wegbrechen, wo mit Ticketverkauf viel mehr Geld verdient werden kann als im Streaming, leidet auch die Filmbranche enorm.

FFP2-Maske statt Eingangstests? Um akute Hilfe rufen nun die österreichischen Programmkinos, deren Betreiberinnen und Betreiber zuletzt klare Rahmenbedingungen für eine Wiedereröffnung gefordert hatten. Unklarheit herrscht für sie in der Diskussion über verpflichtende Eingangstests (Welche Testzertifikate sind zulässig? Dürfen wir selbst Tests anbieten? Wie erfolgt die Kontrolle? Wer haftet dafür?). Dabei verweist die IG Programmkinos in einer Aussendung darauf, dass besonders diese nicht als reine wirtschaftliche Betriebe betrachtet werden dürften: Das Kino ist ein integraler Teil der europäischen Kulturtradition. Es ist ein Ort der Konzentration und des bewussten und gemeinschaftlichen Sehens.

Keine Zeit Zu Sterben - Trailer deutsch/german HD von Universal Pictures Germany Der Forderungskatalog umfasst neben einem Rettungsschirm für die gesamte Kinolandschaft und FFP2-Maskenpflicht statt Eingangstests vor allem die Forderung, Veranstaltungsbetriebe im Vergleich zur Gastronomie nicht schlechterzustellen, so die IG Programmkinos weiter: Die Kinos haben viel Geld in leistungsfähige Lüftungsanlagen investiert. Die Zuschauer*innen sitzen an fixen Plätzen, bewegen sich nicht und sprechen während der Vorstellung nicht miteinander. Daher ist es grotesk, dass in den Kinos strengere Regeln gelten sollen als in der Gastronomie.

Kinosehnsucht und Streaming im Wohnzimmer Kinosaal ÖSTERREICHKinos in der Krise Nach all den Wochen der Isolation wird es im Frühjahr einen großen Nachholbedarf beim kulturellen Leben geben, hofft auch der Verbandschef der deutschen Programmkinos Christian Bräuer laut DPA. Das könnte sich jedoch als frommer Wunsch herausstellen, denn in den vergangenen zehn Monaten haben Streamingportale den Überhang an Filmen aufgefangen: Nicht nur von Netflix produzierte oder erworbene Filme, die ohnehin nur eine kurze Leinwand-Phase gehabt hätten, sondern auch dezidierte Kinofilme wie Disneys Mulan und auch Regina Kings Regiedebüt One Night In Miami übersiedelten mangels offener Spielorte komplett auf Onlineportale.

Die Frage, wie zerstörerisch diese Strategie langfristig für die Kinos ist, wird sich erst nach der Wiederöffnung abschließend beantworten lassen. Als Warner im Herbst bekanntgab, bis auf Weiteres alle Filmstarts parallel im Kino und auf der US-Streamingplattform HBO Max zu planen, war das Entsetzen der Kinobranche groß. Üblicherweise ist das Verwertungsfenster zwischen Kino- und Streamingstart einige Monate oder zumindest Wochen lang.

Carey Mulligan als Cassandra in Emerald Fennell’s Promising Young Woman. UPI In Promising Young Woman ist Carey Mulligan tödlich gefährlich. Was dahintersteckt, wird aber doch erst im Frühling zu sehen sein. Christopher Nolan, dessen Zeitreise-Actionfilm Tenet im Sommer 2020 der weltweit einzige Blockbuster im Kino war, hält die Entscheidung für einen Fehler: Warner Bros. begreifen gar nicht, was sie aufgeben. Die Entscheidung ergibt wirtschaftlich keinen Sinn, so Nolan. Bei Warner hieß es, die Strategie sei ein einzigartiger Einjahresplan, ob der allerdings rückgängig zu machen sein wird, muss sich weisen.

Keine Feindschaft zwischen Kino und Streaming Mit Wonder Woman 1984 ist der erste große Warner-Film in den USA bereits auf diese Weise gestartet, in Österreich wird der Film erst im Kino laufen, auch wenn noch unklar ist, wann das sein wird. Weitere betroffene Filme sind Godzilla vs. Kong, das Dune-Remake von Denis Villeneuve und Matrix 4, der erst im vergangenen Sommer in Berlin abgedreht wurde. Zumindest vorerst sind die europäischen Kinos aber nicht in Gefahr, auf diese publikumsträchtigen Filme verzichten zu müssen laut Warner Österreich gilt die Entscheidung nur für die USA.

Wonder Woman 1984 Official Trailer von Warner Bros. Pictures Für die Filmbranche sind die Streamingdienste inzwischen eine Selbstverständlichkeit, wie auch an der Entscheidung abzulesen ist, bei den Oscars 2021 Filme zuzulassen, die nie im Kino gelaufen sind. Bis zum Pandemiejahr war das undenkbar, und Filme wie etwa Alfonso Cuarons Roma liefen neben dem Streamingangebot nur für kurze in wenigen Kinos pro Land, um für die Oscars antreten zu dürfen.

Bedürfnis nach gemeinsamen Erleben Unterdessen hat Disney für seine hauseigene Streamingplattform Disney+ eine Erweiterung angekündigt. Der Konzern, dem seit 2019 auch das traditionsreiche Filmstudio 20th Century Fox gehört, greift nun auch auf dieses Archiv zurück: In dem neuen Kanal Star werden ab 23. Februar hinter einer Kindersicherung auch weniger kindertaugliche Filme zu sehen sein, darunter die Stirb Langsam-Filmreihe.

Es geht nicht darum, Netflix, Amazon & Co. zu verteufeln, aber es wäre fahrlässig, den Streamingdiensten die alleinige Macht und Deutungshoheit über die bewegten Bilder zu überlassen, so die Programmkinobetreiber. Das Bedürfnis nach gemeinsamem Erleben ist fast so alt wie die Menschheit selbst. Das Kino, so lässt sich folgern, ist eben auch ein sozialer Ort, an dem ein solches Erleben kulturell eingeübt ist.
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